SCHULBANK Stipediaten in Iringa, Tansania

SCHULBANK organisiert ihren Einsatz für gleiche Bildungschancen in Tansania über ein Stipendienprogramm. Wir geben unseren Stipendiaten das Versprechen, sie in ihrer Erstausbildung bis zu ihrem Berufsstart zu unterstützen. Von der Grundschule bis zur Ausbildung, zum College oder zur Universität.

Warum wir uns von Beginn an für eine Unterstützung in Form von Stipendien entschieden haben, hängt mit Prinzipien zusammen, die uns schon immer wichtig waren.

Selbstverantwortung und Selbstwertgefühl sind eng miteinander verbunden und Antrieb für eine Entwicklung aus der Gesellschaft heraus. Für wen die eigenen Probleme dauerhaft von Dritten gelöst werden, der verliert mit der Zeit diese Grundhaltung, so unsere Sorge. Und so gibt es unzählige Berichte über Entwicklungsprojekte westlicher Organisationen der letzten zwanzig Jahre, die zur Passivität von Staat und Gesellschaft geführt haben. Im Großen wie im Kleinen. Vor diesem Hintergrund wollen wir mit unserer Arbeit, wo immer unsere Mithilfe nachgefragt wird, den Staat, Institutionen, Kirchen und Menschen in ihrem Verantwortungsbewusstsein für die Schwachen der Gesellschaft unterstützen und ein Teil ihrer Lösung sein.

Souveränität ist auch ein Ausdruck den wir häufig benutzen, wenn es um die Verwestlichung von Entwicklungsländern geht. Nichts prägt eine Gesellschaft mehr als ihre Bildung. Wir haben eine hohe Sensibilität für die Eigenständigkeit des stolzen Tansanias entwickelt, wenn es um die Frage geht, wie dieses Land seine Kinder beschult und welche Inhalte Inhalte ihm wichtig sind. Hier können und wollen wir nicht mitreden.

Nachhaltigkeit ist für jede Organisation ein großes Wort. Für uns ist sie sogar zweifach von Bedeutung. Alternativ zu Stipendien haben wir wie viele andere Organisationen auch den Bau und Betrieb von Schulen für uns geprüft. Dass der Bau von Schulen in der Verantwortung des Staates liegt (siehe oben), ist im Ergebnis nur eine Randbemerkung wert. Vielmehr ist das Investitionsrisiko in so ein Vorhaben immens hoch und wird beispielsweise von Bauträger, Bauunternehmer, Schul-Management, Lehrer und nicht zuletzt auch in einer Privatschule vom Staat beeinflusst. Selbst wesentlich größere Organisationen als SCHULBANK können langfristig die Bildungsqualität an diesen Schulen nur schwer gewährleisten und, dieser ist vielleicht der wichtigere Punkt, die Schulfinanzierung langfristig kostendeckend aus inländischen Mitteln  zu ermöglichen. Der anfangs erwähnte zweite Aspekt im Rahmen der Nachhaltigkeit liegt auf der Hand: Nichts ist nachhaltiger als die Investition in den Menschen selbst. Direkt und ohne Umwege über Steine und Mörtel.

Umsetzbar, effizient und skalierbar muss das Konzept einer kleinen Organisation wie SCHULBANK sein. Mit dem Stipendienprogramm wie wir es gestaltet haben, können wir unsere Arbeit sehr gut strukturieren, teilweise automatisieren und vor allem unser Wachstum an die persönlichen Rahmenbedingungen aller ehrenamtlich Mitwirkenden anpassen.

Unsere Stipendien richten sich nach den großen Bildungsphasen in Tansania und bauen so aufeinander auf. Erhalten Bewerber/innen ein SCHULBANK Stipendium, so kann weitestgehend unabhängig von den erbrachten Leistungen, mit einer Unterstützung durch SCHULBANK bis zum Berufseinstieg gerechnet werden.

A) Primary School (Grundschule): Stipendien für die Klassen Standard 1-7.
Einen großen Teil der Stipendien haben wir in der Vergangenheit an Grundschulkinder vergeben. Hier findet eine finanzielle Unterstützung von Schüler/innen eher selten statt. Warum auch unterstützen, mag der ein oder andere denken, wenn der Besuch der staatlichen Schulen doch kostenfrei ist. Doch gerade hier beginnt die Bildungsmisere in Tansania. Ein immer größer werdender Anteil von Eltern ermöglicht seinen Kindern bereits heute den Besuch privater Grundschulen, um das schwache Bildungsniveau an staatlichen Schulen zu meiden. 

B) Secondary School (Weiterführende Schule): Stipendien für die Klassen Form 1-6.
Mehr als 90% aller Absolventen privater Grundschulen besuchen auch die weiterführenden Schulen. Wer im Anschluss das College oder einen Ausbildungszentrum besuchen möchte, für den reicht das Examen nach der
Form 4. Die zwei weiteren Schuljahre führen zur allgemeinen Hochschulreife und damit zum Besuch einer Universität. Für ein Stipendium an einer privaten Secondary School sind sehr gute bis gute Abschlussnoten aus der Primary School erforderlich.

C) Vocational Training: Stipendien für Ausbildungsberufe
Sowohl für Absolventen der Primary, wie auch der Secondary School kann eine Ausbildung zum Schreiner, zur Krankenpflegerin oder zur Sozialarbeiterin ein geeigneter nächster Bildungsschritt sein. Hierzu kooperieren wir unter anderem mit dem größten tansanischen Ausbildungszentrum, der VETA

D) University, Hochschul-Stipendien
SCHULBANK Stipendiaten die bereits an einem oder zwei Modulen teilgenommen haben, sind in der Wahl ihrer Fakultät frei. Neue Bewerber für ein Hochschul-Stipendium können nur für ein Lehramtsstudium berücksichtigt werden, womit SCHULBANK auch hier ihren Schwerpunkt Bildung verfolgen will. Für ein Stipendium an einer Universität sind sehr gute bis gute Abschlussnoten aus der Secondary School erforderlich. Die Höhe der Unterstützung wird an der Finanzierungslücke bemessen, die sich aus ggf. unzureichender staatlicher Förderung ergibt. Zudem ist die Hälfte des Stipendium innerhalb von fünf Jahren  zurückzuzahlen.

Voraussetzungen für eine Bewerbung.

Ein entscheidendes Kriterium für ein Stipendium bei SCHULBANK ist der Status als Voll- oder Halbwaise. Auch die finanzielle Bedürftigkeit der Bewerber sowie die persönliche Eignung ist eine Grundvoraussetzung. Letzteres wird nicht zuletzt in Eignungstests unserer Partnerschulen geprüft. Die Checkliste zur Prüfung von Bewerbern ist umfangreich und mit Interviews und Behördengängen verbunden. Sie endet aber immer in der gemeinschaftlichen Beurteilung von Mitgliedern eines deutsch-tansanischen Committees.

Wichtig ist uns an dieser Stelle herauszustellen, dass wir sicherlich Wert auf eine engagierte und motivierte Grundhaltung der Bewerber legen und wir für einige Stipendien-Module auch den bisherigen Leistungsspiegel zur Beurteilung heranziehen. Wir verfolgen allerdings keinesfalls die Förderung einer Leistungselite.

Die Rekrutierung geeigneter Teilnehmer wird durch eigene Mitarbeiter und mithilfe eines Netzwerks aus NGOs, Waisenhäusern, Sozialämtern, Schulen u.v.a. durchgeführt. Haben wir in der Vergangenheit noch überwiegend proaktiv, also initiativ rekrutiert, so soll zukünftig ein strukturierter Bewerbungsprozess einer viel größeren Anzahl Interessierter die Möglichkeit zur initiativen Bewerbung bieten. 

Übersteigt die Anzahl geeigneter Kandidaten die Anzahl verfügbarer Stipendien, entscheidet das Los.

Unser Ziel ist es, Chancengleichheit für hochwertige Bildung in Tansania zu erreichen. Da wir den Bau und Betrieb von Schulen in Eigenregie nicht für sinnvoll und richtig erachten, sind wir ständig auf der Suche nach Bildungseinrichtungen die sich durch eine hohe Qualität auszeichnen, eine gesellschaftliche Verpflichtung verspüren und bereit sind, eine Partnerschaft mit uns einzugehen. 

SCHULBANK kooperiert so mit den qualifiziertesten und erfolgreichsten Schulen, Ausbildungsstätten und Universitäten des Landes. Dabei orientieren wir uns nicht nur an den offiziellen Schul-Rankings des Landes, sondern machen uns intensiv unser eigenes Bild von den Schulen, ihren Angeboten und den Umgang mit Schülern.

Der überwiegende Teil unserer Bildungspartner sind private Schulen, deren Bildungsniveau nicht nur deutlich höher als an staatlichen Schulen ausfällt. Auch beginnen die privaten Grundschulen, anders als die staatlichen, bereits ab der 1. Klasse mit Englisch anstelle von Swahili als Lehrsprache. So fällt den Schüler/innen der Übergang zur weiterführenden Schule (Schulsprache Englisch) wesentlich leichter.

Neben der erforderlichen Bildungsqualität erhalten wir von unserem Bildungspartnern vor allem einen signifikanten Beitrag zur Finanzierung, in dem diese die Schulgebühren für unsere Stipendiaten um bis zu 50% reduzieren und so ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen.

(Photo: Only speak English)

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Mentoren nehmen für unsere Stipendiaten eine noch wichtigere Rolle ein, als wie wir sie aus großen hiesigen Hochschul-Programmen kennen. Unsere Schüler/innen kommen nicht selten im Alter von 6 Jahren in unser Programm und bringen eine große Unsicherheit mit. Elternteile oder Verwandte geht es in der Regel nicht anders, haben auch sie keinen qualifizierten Bildungweg genossen.

Unsere Mentoren sind ausgebildete Pädagogen, ständig präsent und wichtige Ansprechpartner für unsere Stipendiaten und deren Umfeld. Dabei verstehen wir uns in schwierigen Situationen und bei wichtigen anstehenden Entscheidungen als Begleiter und Coach. Wir nehmen in den Arm, geben Ratschläge oder rufen auch mal zur Disziplin auf. Dabei bemühen wir uns, Lernschwächen und -stärken aber auch Probleme im sozialen Umfeld der Schützlingen frühzeitig zu erkennen, um gezielt unterstützen zu können. (Photo Liz und Kids im Arm)

Kommunikation ist dabei natürlich die Basis. Zweimal jährlich führen wir daher einen “Elternsprechtag” durch, bei dem wir ins Gespräch kommen und über die schulische Situation des Schützlings, aber auch die soziale bzw. häusliche Situation sprechen. Darüber hinaus besuchen wir mehrmals in der Woche die Schulen und ihre Lehrer oder machen Hausbesuche bei den Stipendiaten. (Photo ParentsDay)

Monitoring ist dabei Ein wichtiges Instrument für unsere Mentoren. Hier handelt es sich um die kontinuierliche Speicherung und Verarbeitung der Lernergebnisse der Stipendiaten. So werden positive und negative Entwicklungen frühzeitig sichtbar und es können entsprechenden Hilfestellungen angeboten werden. Auch für die gemeinsame Planung der nächsten Bildungsschritte ist das Monitoring eine hilfreiche Grundlage.(Screenshot)

In der Frage der Finanzierung der Stipendien ist für uns die finanzielle Beteiligung tansanischer Institutionen aber auch der Eltern, Verwandten oder Vormunden im Rahmen ihrer Möglichkeiten, eine Grundvoraussetzung für unser Engagement.

Bildungspartner (30-50%): So beginnt jede neue Kooperation mit einer Bildungseinrichtung mit der Übereinkunft über eine Reduzierung der Schulgebühren für SCHULBANK und seine Schützlinge. Diese liegt in der Regel zwischen 30-50% und ist damit eine tragende Säule der Finanzierung. Für unser Verständnis von erfolgreicher Entwicklungszusammenarbeit ist diese Beteiligung gleichzeitig ein wichtiges Signal für die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung.

Erziehungsberechtigte (8-10%): Um von den Erziehungsberechtigten die Wertschätzung für unser Programm zu erhalten und ihr zukünftiges Engagement als Eltern oder Vormund zu gewährleisten, werden auch sie mit einem Anteil von 25% an den reinen Schulgebühren (ohne Schulnebenkosten) beteiligt. Je nach Schulform und Höhe der Nebenkosten liegt die Beteiligung an den Gesamtkosten bei 8-10%.

Damit wird die Finanzierung der Stipendien bereits zu rund 50% von tansanischen Bürgern und Institutionen gestellt.

Patenschaftsprogramm (50%): Die andere Hälfte der Finanzierung wird über das Patenschaftsprogramm von SCHULBANK sichergestellt. Hierbei übernimmt ein Bildungspate 75% der reduzierten Schulgebühren sowie 100% der Schulnebenkosten. Je nach Schulform (Tagesschule/ Internat) führt der jährlichen Patenschaftsbeitrag zu einer Unter- oder Überdeckung der anfallenden Kosten. Der Ausgleich dieser Salden erfolgt dann über unseren Fonds, in den Beitragsüberschüsse der Bildungspaten einfließen.

Im Sinn der Nachhaltigkeit unserer Arbeit ist unsere Zielsetzung den tansanischen Finanzierungsanteil mithilfe zusätzlicher Finanzierungsquellen auf über 80% wachsen zu lassen.

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Judith Dähling, SCHULBANK e.V.

Auf einen Blick

  • Stipendien von der Grundschule bis zur Universität
  • Stipendien ausschließlich für Halb- und Vollwaisen
  • Kein Programm zur Förderung von Eliten
  • Gleichbehandlung von Religion, Geschlecht und Sexualität

Häufige Fragen

Bewerber für eines unserer Stipendien muss ein Voll- oder Halbwaise sein. Zu dem muss einen finanzielle Bedürftigkeit des Elternteils oder des Erziehungsberechtigten vorliegen, aus der die Kosten für einen Schulbesuch an einer unserer Partnerschulen nicht möglich ist. Abschließend müssen Bewerber/innen eine mentale und soziale Stabilität aufweisen.

Grundsätzlich versuchen wir unter unseren Stipendiaten den gesellschaftlichen Querschnitt Tansanias abzubilden. So unterscheiden wir nicht zwischen Geschlechtern, Religionszugehörigkeiten oder sexuellen Orientierungen.

Die Selbstbeteiligung der Stipendiaten bzw. ihrer Erziehungsberechtigten ist eines unserer Grundprinzipien. Sie drückt eine Wertschätzung der Stipendiaten gegenüber SCHULBANK aus, verringert also Mitnahmeeffekte und bringt die Ernsthaftigkeit auch der Erziehungsberechtigten zum Ausdruck.

Je nach Bildungsweg des einzelnen, kann mit folgenden Jahren gerechnet werden: Grundschulzeit 7 Jahre, weiterführende Schule 4+2 Jahre, Ausbildung 2 Jahre, Colleges bis zu 3 Jahre, Universität ab 3 Jahre.

Sollten die Schulnoten schlecht ausfallen, so ist uns das schon vor Zeugnisvergabe bekannt. Genau für diese Situationen sind  unsere Mentoren in engem Kontakt mit Stipendiaten, ihren Lehrern und Elternteilen bzw. Vormunden. Auch haben wir die Möglichkeiten, diesen Schüler/innen eine entsprechende Förderung in Form von Nachhilfeunterricht zukommen zu lassen. Und wenn einmal eine Klasse wiederholt werden muss, dann ist das für SCHULBANK auch kein Drama. Eine echte Lernschwäche ist zu keinem Zeitpunkt ein Grund, das Stipendium vorzeitig zu entziehen.

SCHULBANK kooperiert nahezu ausschließlich mit Privatschulen, um im Vergleich zu staatlichen Schulen ein akzeptables Bildungsniveau zu erhalten. So erhalten unsere Stipendiaten eine Chancengleichheit im Vergleich zu Schüler/innen, deren Eltern die Mittel haben, den Bildungsnotstand an staatlichen Schulen zu umgehen. Ein wichtiges Argument ist dabei vor allem die Schulsprache Englisch während der Grundschulzeit an privaten Schulen, wodurch der Übergang zur weiterführenden Schule mit ebenfalls Englisch als Lehrsprache wesentlich einfacher fällt.

Die Auswahl der Kandidaten erfolgt in zwei Schritten. Zunächst werden alle formal Voraussetzungen durch unser Team in Iringa geprüft sowie Interviews und Hausbesuche durchgeführt. Der daraus resultierende Bewerberkreis wird dann in einem deutsch-tansanischen Commitee besprochen und abschließend priorisiert.










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