Zwischen Volleyballfeld und Aufbruch: Wie Rose ihre eigenen Wege geht

Auf dem Sportplatz der St. James Kilolo Secondary School macht Rose niemand so leicht etwas vor. Wenn die 17-Jährige den Volleyball serviert oder ihre Mitschülerinnen auf dem Feld aufstellt, ist sie voll in ihrem Element. „General der Armee“ nennen sie sie hier an der Schule mit einem Schmunzeln – nicht etwa, weil sie streng wäre, sondern weil sie Dinge spontan organisiert und Verantwortung übernimmt, bevor etwas schiefgehen kann.

Diese Entschlossenheit prägt auch ihren Weg abseits des Unterrichts. In ihrem Heimatdorf Ilambilole in der Region Iringa nennen sie alle nur „Roziii“. Rose wächst in einer großen Maasai-Familie auf: Ein Vater, vier Ehefrauen und 15 Kinder. Ihre Mutter ist die älteste der Frauen. Es ist ein Umfeld, in dem Rose einerseits viel Wärme erlebt, deren strukturelle Grenzen sie jedoch mit erstaunlicher Klarheit analysiert.

„Wenn Männer viele Frauen heiraten und mehr Kinder zeugen, als sie angemessen versorgen können, verlieren Frauen und Kinder im Alltag ihre Unabhängigkeit“, berichtet Rose aus eigener Erfahrung. „Dann fehlt es an grundlegenden Dingen – an sicherer Unterkunft, medizinischer Versorgung und vor allem an einer verlässlichen Schulausbildung.“

Wir bei SCHULBANK e.V. begleiten Rose nun schon seit Längerem auf ihrem Bildungsweg. Sie besucht derzeit die zehnte Klasse und zählt zu den Jahrgangsbesten der Schule. Bei den letzten nationalen Prüfungen erzielte sie die Höchstnote: Division 1 mit 9 Punkten. Für Rose ist der schulische Erfolg kein Selbstzweck, sondern der Schlüssel zu ihrem eigenen Ziel. Sie möchte nach dem Schulabschluss ein Studium der Sozialwissenschaften absolvieren und später als Gemeindeentwicklungsoffizierin arbeiten.

In ihrem Heimatdorf sieht sie die Herausforderungen polygamer Ehestrukturen realistisch – von der wirtschaftlichen Unsicherheit bis hin zu gesundheitlichen Gefahren wie der Verbreitung von HIV. Rose möchte diese Themen in ihrer Gemeinschaft nicht verschweigen, sondern als Botschafterin für Aufklärung sorgen. Sie versteht Bildung als Werkzeug, um veraltete Traditionen zu hinterfragen und junge Frauen darin zu bestärken, eigene Entscheidungen zu treffen.

Gleichzeitig vergisst sie nicht, woher sie kommt. In ihrer Familie schätzt sie das starke Gemeinschaftsgefühl und die gegenseitige Fürsorge der Mütter beim Kochen, im Alltag und bei der Erziehung der Kinder. Rose verbindet ihren Wunsch nach Veränderung mit einem tiefen Respekt für ihr Umfeld. Wir freuen uns darauf, sie auf den nächsten Schritten dieses Weges zu begleiten.

Autor: Edgar Mgembe, Program Manager bei SCHULBANK e.V.

Über SCHULBANK e.V. Wir bei SCHULBANK e.V. begleiten junge Menschen auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben. Über unser Stipendienprogramm für elternlose Kinder und Jugendliche ermöglichen wir gezielten Zugang zu qualifizierter Bildung und persönlicher Begleitung vor Ort. Junge Frauen wie Rose zeigen eindrücklich, wie aus verlässlicher Bildungsförderung gesellschaftlicher Wandel von innen heraus entsteht.

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